Transdisziplinarität

Kaum ein Begriff der jüngeren Forschungsgeschichte hat eine derartig ambivalente Karriere hinter sich wie das Konzept der Transdisziplinarität. Denn es bezeichnet ganz unterschiedliche Anliegen und Methoden. Das «Trans» der Transdisziplinarität zeigt es an: Ein Verbleiben in der disziplinären Heimat stellt sich als defizitär heraus. Bestimmte Probleme der Lebenswelt und Forschung treten aus dem Rahmen der Einzelwissenschaften heraus – in der Hoffnung, ein kooperativer Modus sei in der Lage, sie angemessen zu adressieren.

Das Collegium Helveticum nimmt sich der transdisziplinären Forschung nun ihrerseits als Forschungsgegenstand an. Ausgehend von dem Thema der laufenden Fellowperiode – «Digital Societies» – werden die Herausforderungen der Transdisziplinarität neu aufgerollt:

Wie gestaltet man transdisziplinäres Forschen? Wie stellt man sicher, dass die Fliehkräfte der Einzelwissenschaften nicht das Anliegen untergraben, auf neue Weise zusammenzuarbeiten?

Welcher Einsicht verdankt sich die Wertschätzung transdisziplinärer Ausrichtung? Ist es die Erkenntnis ins Notwendige, ohne transdisziplinären Zuschnitt nicht weiterzukommen, oder die Hoffnung auf Mögliches, neue Felder nur so zu erschliessen?  

Was bedeutet Transdisziplinarität für die Disziplinarität der Wissenschaften? Handelt es sich um gegenseitige Befruchtung, Abgrenzung oder Rivalität?

Diese Fragen stellen sich auf spezifische Weise für eine «digitale Gesellschaft»: Die Digitalisierung formiert Transdisziplinarität als wissenschaftliches Programm; und umgekehrt erfordert die gesellschaftliche Digitalisierung als Gegenstand einen Ansatz ‹jenseits› der Disziplin(en).

LABORATORIUM FÜR TRANSDISZIPLINARITÄT