Die Rolle der Emotionen

Das gemeinsame Forschungsthema der Fellowperiode 2004–2009 lautete «Die Rolle der Emotionen: ihr Anteil bei menschlichem Handeln und bei der Setzung sozialer Normen», an dem insgesamt sechs Fellows, je drei Professoren der Universität Zürich und der ETH Zürich, beteiligt waren. Die Experten aus den Disziplinen Chemie, Geschichte, Ingenieurwissenschaften, Neurowissenschaften, Ökonomie, Pharmazie und Religionsphilosophie versuchen über eine Synthese der Erfahrungen und Resultate aus ihren Einzeldisziplinen die generelle Fragestellung der Rolle von Emotion im menschlichen Handeln und deren Bedeutung für die Setzung sozialer Normen zu hinterfragen.



Es ist evident und inzwischen auch anerkannt, dass rationales Handeln und emotionales Handeln nicht voneinander trennbar sind und dass der Grad ihrer Interferenz fundamentale Bedeutung für die Handlungskonsequenzen hat (Ciompi 1997, 2002). Daraus leiten sich Fragen nach der Kausalität kollektiven Handelns, nach den Grundlagen menschlichen Sozialverhaltens, der Herausbildung sozialer Normen und der Bewertung von Allgemeingut ab. Aber ebenso nach den Struktur-Funktionsbeziehungen für Rationalität und Emotionalität. Sind sie interindividuell übertragbar oder sogar über Tiermodelle zu verstehen? Kann man dann annehmen, dass molekular induzierte Zustände über alle Systemhierarchien hinweg direkten Einfluss bis hin auf gesellschaftliche Gegebenheiten nehmen?

Die Resultate der verschiedenen Teilprojekte konnten in diversen peer-reviewed Journals publiziert werden. Ausserdem wird die Arbeit am Emotionsprojekt in verschiedenen vom Collegium Helveticum herausgegebenen Publikationen reflektiert.

Georg Schönbächler (Hg.): Schmerz. Perspektiven auf eine menschliche Grunderfahrung (Edition Collegium Helveticum, Bd. 4)

Gerd Folkers und Johannes Fehr (Hg.): Gefühle zeigen (Edition Collegium Helveticum, Bd. 5)

Rainer Egloff, Johannes Fehr, Gerd Folkers (Hg.): Pragmatik der Gefühle (Edition Collegium Helveticum, Bd. 6)

Hanspeter Gschwend: Alice wundert sich (Edition Collegium Helveticum, Bd. 8)

Georg Schönbächler (Hg.): Die Scham in Philosophie, Kulturanthropologie und Psychoanalyse (Collegium Helveticum Hefte, Bd. 2)

Georg Schönbächler, Peter Schulthess (Hg.): Der Emotionsbegriff in den psychotherapeutischen Schulen (Collegium Helveticum Hefte, Bd. 6)

Georg Schönbächler (Hg.): Melancholie zwischen Pathologisierung und Idealisierung (Collegium Helveticum Hefte, Bd. 8)

Als Resultat des Fellowprojekts ist auch das von den ehemaligen Fellows Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth, Prof. Dr. Jakob Tanner und Prof. Dr. Ernst Fehr geführte und vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Projekt «Vertrauen verstehen. Grundlagen, Formen und Grenzen des Vertrauens», das im Anschluss an die Fellowperiode 2004–2009 begann und 2012 abgeschlossen wurde.

Fellows

Prof. Dr. I. Dalferth
Prof. Dr. E. Fehr
Prof. Dr. H.-R. Heinimann
Prof. Dr. H. Möhler
Prof. Dr. R. Nesper
Prof. Dr. J. Tanner

LABORATORIUM FÜR TRANSDISZIPLINARITÄT